


Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die sich meist im frühen Erwachsenenalter manifestiert. Sie wird auch als Encephalomyelitis disseminata bezeichnet, da sowohl das Gehirn als auch das Rückenmark von verstreuten Entzündungsherden betroffen sein kann. Nach wie vor stellt sie die häufigste Ursache frühzeitiger Behinderungen im jungen Erwachsenenalter dar. Die Erkrankung kann sich zu einem unterschiedlichen Schweregrad von geringer Behinderung bis zur vollständigen Pflegebedürftigkeit entwickeln. Über die Ursachen oder die Faktoren, die zur individuellen Prognose beitragen, kann nur beim einzelnen Patienten eine gewisse Aussage getroffen werden.
Bei der Mehrzahl der Patienten beginnt die Erkrankung mit einem schubförmigem Verlauf, bei dem sich Phasen der klinischen Verschlechterung, Verbesserung sowie Stabilität ablösen. In späteren Krankheitsphasen wird der schubförmige Verlauf bei etwa der Hälfte aller Patienten von einer kontinuierlichen Zunahme der neurologischen Defizite (sekundäre Progression) abgelöst. In 10-20% der Patienten beginnt die Erkrankung mit einer stetigen neurologischen Verschlechterung (primär progressive Verlaufsform), die mit oder ohne aufgelagerte Schübe abläuft.
Da die Multiple Sklerose alle zentral-nervösen Strukturen betrifft, kommt es bei den Schüben sowie im Verlauf der Erkrankung zu verschiedenartigen Symptomen, wie Sensibilitätsstörungen, Muskelschwäche, Sehstörungen, Koordinationsstörungen, kognitiven Störungen, psychiatrischen Störungen, Müdigkeit (Fatigue), Schmerzen, Störung bzw. Ausfall der Blasenkontrolle. Die Symptome variieren im Verlauf und sind individuell sehr unterschiedlich. Im Rahmen eines Schubes entwickeln sich die neurologischen Symptome über mehrere Tage, erreichen dann ein Plateau und bilden sich über Tage bis Wochen zurück. Die Wiedergenesungstendenz sowie das Ansprechen auf die Akuttherapie des Schubes sind am Beginn der Erkrankung besser anzusehen als im weiteren Krankheitsverlauf.
Als Schub werden abgrenzbar neu aufgetretene klinische Ausfälle und Symptome angesehen, die subjektiv berichtet werden oder durch objektive Untersuchungen nachgewiesen werden können und die länger als 24 Std. andauern. Das Kriterium für das Vorliegen von zwei separaten Schüben ist definitionsgemäß ein Zeitintervall von 30 Tagen zwischen dem Beginn des ersten sowie des zweiten Schubes.
Die Multiple Sklerose - Diagnosekriterien beinhalten eine Kombination aus klinischen wie auch diagnostischen Merkmalen. Hinsichtlich der Diagnostik sind insbesondere die Kernspintomographie, die evozierten Potentiale sowie die Liquoruntersuchung aufzuführen. Die Sicherheit der Diagnose wird mit den Bezeichnungen „klinisch sicher, laborunterstützt sicher, klinisch wahrscheinlich und laborunterstützt wahrscheinlich“ gradiert.
Die Ursache der Multiple Sklerose ist bislang nicht bekannt. Epidemiologische Untersuchungen stützen sowohl umweltbedingte als auch genetische Hypothesen zur Krankheitsentstehung. Vermutlich besteht eine Wechselwirkung zwischen diesen Faktoren. Die Multiple Sklerose tritt weltweit mit einer Häufigkeit zwischen 1 und 300 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner auf, in Nordeuropa liegt die Häufigkeit der Multiple Sklerose bei 4-8 neu diagnostizierten Fällen pro 100.000 Einwohnern, die Häufigkeit der Betroffenen liegt zwischen 60-100 Personen auf 100.000 Einwohner. Frauen sind 1,5-2 mal häufiger betroffen als Männer.
Hinsichtlich der Behandlungsmöglichkeit der Multiple Sklerose hat sich in den letzten Jahren Grundlegendes getan. Basierend auf dem wachsenden Verständnis von immunpathogenetischen Zusammenhängen entstanden mehrere Möglichkeiten der Behandlung. Hierbei gibt es Empfehlungen der Multiple Sklerose Konsensus Konferenz-Gruppe, die im Rahmen unserer Behandlung berücksichtigt werden.
Neben der Diagnostik der Grunderkrankung sowie der akuten Schübe ist die Rehabilitation der betroffenen Patienten vorrangiges Ziel unserer Klinik. Im Sinne einer optimalen Behandlung dieser vielschichtigen chronischen Erkrankungen des zentralen Nervensystems kommen symptomatischen Therapiemaßnahmen eine mindestens ebenso hohe Bedeutung wie der medikamentösen Therapie zu.
In unserer Klinik können wir spezifische Behandlungsangebote hinsichtlich den umfangreichen Symptome wie Spastik, Ataxie, Tremor, Blasen- und Darmfunktionsstörungen sowie chronischer Erschöpfbarkeit durchführen.
Zur Vermeidung von Sekundärfolgen und zur Verbesserung funktioneller Einschränkungen gehört die Physiotherapie auf neurophysiologischer Grundlage zur Basisversorgung. Sie bedeutet neben der Ergotherapie, physikalischer Therapie sowie Logopädie eine fundamentale Rolle beim Anstreben einer funktionellen Verbesserung. Der Nutzen dieser Behandlungsform wurde in mehreren neuro-rehabilitativen Studien belegt. Das Ziel der Behandlungsmaßnahmen ist nicht nur der rasche Rückgewinn von Kraft und Beweglichkeit, sondern auch die Erhaltung der verbliebenen motorischen Funktionen. Große Bedeutung kommt auch der Erlernung von Ersatzstrategien bzw. Entspannungstechniken (z.B. bei fluktuierender oder einschießender Spastik) zu.
Bezüglich der Behandlungsmöglichkeit von Spastik, Dysphagie und anderen Problemen dürfen wir auf diesbezügliche spezielle Kapitel im Rahmen unserer Klinikberichte verweisen. Der Schweregrad der Erkrankung lässt sich entsprechend der verbreiteten Betroffenheitsskala nach J.F.Kurtzke von 0-10 graduieren. Hierbei dürfen wir bemerken, dass Multiple Sklerose - Patienten insbesondere mit schwerer Betroffenheit (größer oder gleich Grad 6 nach der Schweregradskala nach Kurtzke mit entsprechend erheblicher Einschränkungen der Gehstrecke) durch Behandlungsmöglichkeit wie Gangtrainer, Laufbandtherapie oder Wassertherapie nach Mc Millan gefördert werden können. Auch ist die Basiseinstellung mit den entsprechenden Immuntherapeutika nach vorangehender Abklärung sowie Kontaktaufnahme mit der zuständigen Krankenkasse sowie dem behandelnden Neurologen in unserer Klinik möglich.
Durch die begleitende Hilfe der Sozialarbeit können häusliche bauliche Veränderungen sowie pflegerische Hilfestellungen mit der zuständigen Krankenkasse überprüft und vereinbart werden, weiterhin ist die Kontaktaufnahme zu regionalen Selbsthilfegruppen oder zum Bundesverband der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) herstellbar.
Bei entsprechender Indikation wie z.B. krankheitsbedingter Depression oder Einbußen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis, herabgesetzter geistiger Belastbarkeit etc. wird auch eine (neuro-)psychologische Behandlung durchgeführt.
Herr Dr. Hansal hat an der Universität Göttingen bei Herrn Prof. Dr. H.-J. Bauer über die Erkrankung der Multiple Sklerose seine Promotionsschrift niedergelegt und beschäftigt sich seit vielen Jahren kontinuierlich mit den Rehabilitaitonsmöglichkeiten der Multiplen Sklerose.
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unser Chefarzt im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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